Hervorgehoben

Hier beschreibe ich täglich meine kleinen Abenteuer unterwegs. Nachrichten und Kommentare könnt Ihr mir über die Sprechblase zukommen lassen. Einfach Euren Namen angeben – eMail Adresse etc. ist nicht nötig.

Tag 13: Start in den letzten Pass

Mein Campingplatz von heute Nacht liegt in St Paul sur Ubaye. Das Tal der Ubaye ist noch sehr ursprünglich und war wohl so bis in die 50er Jahre über Straßen nur schlecht erreichbar. Hier ist immer noch alles eine Nummer kleiner und deshalb sehr sympathisch.

Das Ubaye-Tal fahre ich hinunter bis Jausiers. Hier gibt es einen kleinen Proxy-Supermarkt und einen tollen Bäcker (der Nuss-Brownie ist unübertrefflich). Ich decke mich für 2 Tage ein….und mache im kleinen Stadtpark erstmal eine lange Mittagspause – allerdings nicht in diesem XXL-Liegestuhl🙂. Den nächsten – und für diese Tour letzten – Pass will ich nicht unbedingt in der heißen Tagesmitte angehen. Ich liege gut im Plan (vor allem, weil ich gestern auf den Col de Parpaillon verzichtet habe) und muss nicht hetzen. Auch etwas Arbeit ist zu erledigen.

In Jausiers steht dieser Wegweiser: Nur noch 143 km bis Nizza. Und 120 davon geht’s bergab.

Gegen 14.30 Uhr mache ich mich dann doch auf den Weg Richtung Col de la Bonette. Wie dieses Monument verrät, gehts auf 2.800 m hoch. Ich gehe mal davon aus, dass der Bildhauer bei der Angabe zur Steigung (Pente) das Komma vergessen hat und es keine 66 % sind🙂

Der Col de la Bonette ist die höchste Pass-Straße Europas. Ich bin diese Seite vor 2 Jahren heruntergefahren und weiß daher, dass die kommenden 19 Bergauf-Kilometer zu den schönsten dieser Tour gehören werden. Ich freue mich drauf.

Und am Straßenrand stehen sie dann endlich: Echte Postkutschen-Pferde. Aber ich sattle nicht um. Diesen Pass schaffe ich aus eigener Kraft und ohne zu schieben🙂. Aber dieses Fliegengitter des vorderen Gauls könnte ich mir eventuell mal ausleihen…Wenn man so in der Hitze nach oben fährt, dann kann man sich vor Fliegen kaum retten. Oft singe ich – frei nach Zara Leander – in mich hinein: „Fliegen umschwirrn mich, wie Motten das Licht, nur weil ich schwitze – doch dafür kann ich nichts!“ Aber noch schlimmer sind die Bremsen, die mich am meisten an den schwarzen Socken beißen.

Unterwegs dann mal wieder DIE perfekte Serpentine. Eine wohlproportionierte, symmetrische Kurve, die sich auch berghoch fast von selbst fährt…..

Je höher man kommt, desto alpiner wird’s. Unten im Ubaye-Tal war es noch fast provenzalisch (tatsächlich zählt das Ubaye noch zur Provence – und nicht zur Dauphiné).

Pogi Pogacar war wohl auch schon da. Bestimmt mit weniger Gepäck und Gebäck 🙂 (den Brownie aus Jausiers hebe ich mir für morgen auf…..)

Obwohl ich erst so spät losgefahren bin, habe ich die 2.000-Meter-Marke schon lange hinter mir gelassen. Wird Zeit für einen Zeltplatz….aber ich kann mich mal wieder schwer entscheiden. Es könnte ja sein, dass hinter der nächsten Kurve noch ein besserer kommt. Schwierig. Mein langjähriger Radbegleiter, Leander, wird jetzt sicher immer noch genervt mit den Augen rollen. Aber ein Zeltplatz MUSS perfekt sein. (Picnicplätze übrigens auch🙂)

Und so wird es schließlich dieser Platz hier auf ca. 2.300 m Höhe. Nicht der schlechteste, wie ich finde. Ich weiß, dass kurze Zeit später noch ein Top- Platz mit Picnictischen und einem kleinen See gekommen wäre. Doch mich haben jetzt in den Abendstunden diverse Wohnmobile überholt. Und ich bin sicher, dass die sich genau dort breitmachen…

Hier der Beweis: Der See am nächsten Morgen. Da war meine Entscheidung goldrichtig. So hatte ich meine eigene, ruhige kleine Wiese…..wenn auch ohne See…..

Allerdings standen hier oben überall diese kleine, extrem stacheligen Disteln. Ich befürchtete, die könnten sich durch den Zeltboden drücken und meine Luftmatratze durchlöchern. Zur Sicherheit lege ich alles unter die Matte, was die Packtaschen hergeben, sogar die leeren Taschen selber. Ich habe Glück: Am nächsten Morgen ist die Luft noch drin🙂

Tag 12: Daumen runter für den Col de Vars

Meine Nacht unterhalb des Col de Izoard verlief ruhig. Interessanterweise kamen aber schon ab 8.30 die ersten singenden Rennradfahrer oben vom Col runtergebraust. Ich frag mich, wo die so früh herkamen….Auch für mich ging es jetzt wieder 1400 m runter Richtung Guillestre. Die Landschaft ist, wie oben zu sehen, mal wieder recht wild. Genau wegen sowas bin ich ja auch in den Alpen unterwegs. Die Pyrenäen im letzten Jahr waren mir da doch etwas „zahm“….

Hier die berühmte, auch aus Tour de France-Übertragungen bekannte Casse Desserte – also eine wüstenähnliche Gerölllandschaft unterhalb des Izoards. Hier hat es wohl schon wilde Radrenn-Schlachten gegeben – gerade bei Hitze.

Für 2 Rad-Heroen aus den 50ern ist hier sogar ein Denkmal errichtet worden – Coppi und Bobet. Sie haben wohl an dieser Stelle, also dort, wo es richtig steil wird, mit ihren Antritten den Sieg am Izoard vorbereitet.

Für mich wird hier niemand ein Denkmal erstellen – aber immerhin kann ich hier endlich mein Gefährt wechseln und auf Kutsche mit Kutschenpferd umsteigen. Habe also gefunden, was ich auf dem steilen Postkutschenpfad am Tag 3 dieser Tour so vermisst habe…..Aber im Ernst: Der Kutscher erinnert mich doch zu sehr an einem Dementor (Harry Potter Fans wissen bescheid), als dass ich mich zu ihm auf den Bock setzen würde. Übrigens habe ich bei diesem Foto meinen schönen blauen Schal (meine „Klimaanage“) eingebüßt. Ich hatte ihn locker auf den Gepäcktaschen abgelegt und bin dann losgefahren, ohne ihn nochmal umzubinden….

Kurz vor Guillestre wird es dann mal richtig schluchtartig. Sowas hatte ich diesmal noch gar nicht. Hier das Tal des Guil, eines Nebenflusses der Durance.

Hier passt wirklich gerade noch so eine Straße durch. Zum Glück herrscht wenig Verkehr. Unten in Guillestre muss ich mich entscheiden, wie ich weiterfahre: Variante A: Über den Col de Parpaillon. Der ist eigentlich eingeplant und ein Gravel-Pass, den ich unbedingt einmal fahren wollte. Allerdings ist der Tunnel am oberen Ende gerade wegen Erdrutsch gesperrt. Da hätte ich mein Gepäck und das Rad wieder getrennt über eine 140 m hohe Kuppe rüberschleppen müssen. Variante B: Über den Col de Vars. Das ist ein normaler Straßenpass ohne große Schwierigkeiten….Ich beiße in den sauren Apfel und verzichte auf den Parpaillon. Die verrückte Aktion von Tag 10 steckt mir noch in den Knochen und da habe ich auch einiges an Zeit verloren. Also geht es den Col de Vars hoch.

Aber auf dieser Strecke wird mir dann nochmal so richtig vor Augen geführt, warum ich eigentlich eher auf die Gravel-Pässe ausweichen wollte. Was hier an Motorrad-Verkehr herrscht, geht echt auf keine Kuhhaut. Nicht falsch verstehen: Jeder hat natürlich das Recht, hier seinen Freizetaktivitten nachzugehen. Schließlich mache ich das ja auch. Aber mich hört man nicht schon aus 4 km Entfernung. Für manche ist das hier einfach ein geiles Kurvenfahren, bei dem ordenlich viel Lärm gemacht werden muss. Für Natur und Landschaft haben da nur die wenigsten ein Auge. Nur ganz wenige Motoradfahrer zockeln mit Gepäck gemütlich durch die Gegend. Für die meisten ist das hier Le Mans oder Monza.🤮 Ähnliches gilt übrigens für Trupps von Porsche- oder Ferrari-Fahrern die hier teilweise wie die Irren über die schmalen Alpenstraßen brettern. Einen Motorradfahrer scheint es heute auf der Strecke erwischt zu haben: Rettngshubschrauber im Einsatz und mir kam ein Abschleppauto mit zerlegtem Motorrad entgegen. Ehrlich: Mein Mitleid ist begrenzt.

Beim Col de Vars kommt dann noch dazu, dass kurz vor dem oberen Ende ein Skistation liegt, die nun wirklich den Preis für die hässlichste Berg-Architektur verdient hat. Die zeiht sich über mehrere Kilometer hin. Immerhin erstehe ich in einem Laden noch das letzte leckere Croissant und einen gut gekühlten O-Saft. Denn die Temperaturen sind immer noch über 35 Grad.

Und dann doch das Schöne im Hässlichen: Eine so originelle Sitzbank an einer Bushaltestelle habe ich bisher auch noch nicht gesehen…🙂

Hinter dem Skigebiet wird es dann endlich einsamer. Doch ein richtiger „Alpenpass“ sind diese letzten 3 km dann irgendwie doch nicht. Am Ende keine dynamischen Serpentinen, über die man sich z. B. am Izoard die letzten Höhenmeter über den felsigen Gebirgskamm heraufschraubt. Am Col de Vars schleppt sich die Straße eher träge wie eine endlose Gerade durch grüne Hügel hinweg, bis sie dann fast unbemerkt und völlig unspektakulär oben ankommt. Ich schleppe mich ähnlich träge bis nach oben….

Hier mein Gesamturteil zum Col de Vars: Eindeutig Daumen nach unten!🙂 Eigentlich hatte ich mir hier oben, kurz hinter dem Pass auf der Karte einen schönen Wild-Zeltplatz ausgeguckt. Doch auf dem Weg dorthin überholt mich ein Wohnmobl und macht sich dort breit…grrrrr. Also dann fahre ich doch runter ins Tal, da gibt es in St. Paul sur Ubaye einen kleinen Zeltplatz.

Die südliche Seite des Col de Vars ist jetzt das genaue Gegenteil der hässlichen Nordseite, die ich hinaufgefahren bin. Schöne Serpentinen, herrliche unberührte Landschaft. Hinunter ins Ubaye-Tal fährt man wie in eine andere Welt. Keine hässlichen Ski-Bunker, sondern ursprüngliche Dörfer.

Am Campingplatz gibt es dann mal wieder einen vernünftigen Picknick-Tisch, an dem das Kochen Spaß macht. Für Interessenten: Es gibt Merguez mit Paprika und CousCous….Das Vars für heute….🙂

Tag 11: Mit einem Haus den Izoard hinauf

Das also ist mein Ziel für heute: Der Col de Izoard. Und so fing der Tag an:

Mein wirklich unglaublich weitläufiger Campinglatz liegt am Ende des Clarée-Tals. Dieses zieht sich quasi direkt an der Grenze zu Italien fast 30 km lang nach Süden. Es ist gewissermaßen eine Sackgasse, da es an seinem Ende keinen Straßen-Pass gibt. Das ist auf jeden Fall die einsamste und ursprünglichse Gegend, durch die ich bis jetzt auf dieser Tour gekommen bin. Eventuell auch ein Tipp für ruhige Wander-Urlaube…

Ganz in der Nähe des Campingplatzes mündet die Durance in die Clarée. Die Durance ist der größte Fluss in der Provence. Aber das ist eine riesige Ungerechtigkeit: Dieser hier noch so kleine Popelbach darf seinen Namen behalten, obwohl die Clarée hier schon eher so groß ist wie die Saar. Das wäre ja so, als wenn die „Saar“ ab Saarbrücken als „Sulzbach“ weiter fließen würde…

Jetzt geht es also das „Durance-Tal“ weiter nach Briancon. EIner alten Festungsstadt an der italienischen Grenze. Erbaut wurde sie von keinem anderen als…..

….als Monsieur Vauban. Also mal ehrich, kann man das noch glauben? Wenn man in Frankreich irgendwo auf eine alte Festung stößt, so aus dem 17. Jahrhundert, dann hatte der seine Finger im Spiel. Auch Saarlouis hat er gebaut. Der Typ war offensichlich ein Festungs-ADHSler. Oder er hatte so eine Art Ikea-Festungs-Bausatz entwickelt – quasi den Vorläufer des Billy-Regals.

Direkt hinter der Vauban-Stadt Briançon geht es dann den nächsten Pass hinauf. Auch er bekannt von vielen Tour-de-France-Etappen: Col de Izoard. Das bedeutet von 1200 m gehts hoch auf etwa 2400 m. Mal kein Gravel, aber davon habe ich nach der Aktion mit meinen Schutzengeln gestern jetzt auch erstmal genug.

Auf dem Weg nach oben liegt dieser Ort mit lustigem Namen: Le Laus….Außerdem werde ich begleitet von einer Gruppe von etwa 300 Rennradfahrern, die eine gebuchte Pässe-Route von Albertville nach Cannes abfahren. Für sie steht heute ebenfalls der Izoard auf dem Programm. Ihr Hotel-Gepäck wird natürlich transporiert und alle überholen mich nach und nach. Das ist sehr unterhaltsam. Einer überholt mich und mein lakonisch: „Tu as une belle maison!“ – ich fahre also ein ganz hübsches Haus mit mir herum…🙂. Mit von der Partie sind Radler echt jeden Alters und auffällig viele Frauen (wohl fast ein Drittel). Rennradlerinnen sind ja in Deutschland eher Exoten.

In Le Laus stehen eigentlichn nur 5 bis 6 Häuser. Aber alle sind echt spektakuläre riesige Bauten aus Bruchstein und dicken Holzbalken. Also ganz so imposant ist mein „Haus“ auf dem Gepäckträger dann aber doch nicht….

Gegen 18 Uhr bin ich dann oben auf dem Izoard angekommen. Das „Bravo“ einer Motoradfahrerin ignoriere ich gekonnt. Ich nehme gerne Lob entgegen, aber auf die Motoradleute bin ich in der Masse echt nicht gut zu sprechen. Sie halbieren etwa die Freude am Passfahren. Jeder einzelne mag ja ein netter Kerl sein….

Kurz unterhalb des Cols schlage ich mein Nachtlager auf. So ab 19 Uhr lässt dann auch der Motorradlärm nach. Aber manche Radler sind noch unterwegs. Sie können mein Zelt von der Straße aus nicht sehen und fühlen sich wohl allein. Jedenfalls stürzen sich viele Radler aus voller Kehle singend in die rasende Abfahrt vom Izoard ins Tal hinunter. Ich kann diese Freude gut nachvollziehen: Der Izoard ist von beiden Seiten echt ein toller Pass.

Tag 10: Ich treffe 2 unglaubliche Schutzengel

Das hier ist der Ausblick aus meinem Zelt am Morgen. Der Lac liegt blau und ruhig. Und die Regenwolken haben sich verzogen. Eigentlich will man ja so einen schönen Platz gar nicht verlassen. Aber so ab 9 Uhr kommen dann doch die ersten Wanderer hier oben an.

Also packe ich meine 77 Sachen und mache mich auf die Weiterreise. Hier sieht man unten am Ufer noch meinen Zeltplatz und oben kommt der Weg vom Col de Rochilles herab.

Hier oben gibt es noch 2 weitere Seen, die ebnfalls wunderschön blau sind. Allerdings: Der Weg lässt immer mehr zu Wünschen übrig…..

Da muss ich wohl mal wieder zu meiner neuen Hauptbeschäftigung übergehen: Schieben, Schieben, Schieben.…🙂

Doch bald war dann auch das Schieben nicht mehr möglich. Der Weg führte bestimmt 7-mal durch solche Furten oder x-mal über den blanken Fels. Da musste ich wieder erstmal das Gepäck irgendwie durchtragen und dann wieder zurück und das Rad holen. Sehr mühsam!

Ich bin mit meinen Kräften und den Nerven echt am Ende. Mir war bei der Vorbereitung durchaus klar, dass es hier schwierige Passagen geben wird, wo ich das Rad und Gepäck vereinzelt tragen muss. Aber in dieser Masse und auf dieser Länge…immerhin wurde der Weg auf „La Grande Routes des Alpes-Gravel“ empfohlen. Da erwarte ich dann schon einen halbwes fahrbahren Weg. Aber hier käme man selbst mit dem Mountainbike nicht ohne Tragen vorwärts: Insgesamt brauche ich für die 300 Höhenmeter vom Zeltplatz bis zum fahrbahren Weg geschlagene 5 Stunden!

….und es hätte sicherlich noch viel länger gedauert, wenn ich nicht diese beiden wundervollen Menschen unterwegs getroffen hätte: Erick (hier links) und Michel (hier rechts). Die beiden sind wirklich unglaublich. Wie fast alle Franzosen, die mir begegnen, haben sie ein freundliches Wort für mich. Aber die beiden übertreffen alles: Kurzherhand schnappen sie sich meine Packtaschen und helfen mir auch beim weiteren Abstieg beim schwierigen Transport von Rad und Ausrüstung.“À l’amitié franco-allemande!„!, wie sie sagen. Ich bin sprachlos und nenne sie meine beiden Schutzengel. Merci Michel et Erick !

Doch damit nicht genug: Am Ende der schwierigen Passage steht eine Almhütte, in der mich Michel und Erick zu einem kleinen Essen einladen! Eigentlich wäre ja ICH ihnen zu Dank verpflichtet. Beide sind pensionierte Lehrer und alte Freunde, die sich für eine Woche ohne ihre Familien hier eine gemeinsame Zeit gönnen. Sie waren mit ihren E-Bikes bis zu dieser Berghütte hochgefahren und hatten dann eine kleine Wanderung gemacht – wo sie dann auf den verzweifelten „Ülrisch“ trafen….

Den weiteren Weg von der Hütte (hier im Hintergrund) legen wir dann ein gutes Stück gemeinsam zurück. Erick vorweg und Michel hinter mir – eben 2 wirkliche Schutzengel! Da kann mir nichts passieren.

Erick hat sogar noch ein kleines Video von mir gedreht, wie ich über die Steine holpere 🙂. Wir haben unsere Telefonnummern ausgetauscht und Erick hat mir hinterher Bilder geschickt. Gerade als ich (einige Tage später) diese Zeilen tippte rief mich Michel an und wollte wissen, wie es mir geht und ob alles in Ordung ist. Und wir sollen uns unbedingt melden, wenn wir in der Nähe sind. Beide wohnen in der Umgebung von Paris und Erick zum Teil in den Pyrenäen…..zwei wundervolle Schutzengel!

Den Tag beende ich nach insgesamt nur maximal 25 gefahrenen Kilometern auf diesem extrem weitläufigen Campingplatz in Les Alberts. Ich bin müde.😴

Tag 9: Durch Bonne-Nuit zur guten Nacht

Bevor ich mich weiter in Richtung Col de Galibier bewege, muss ich am Campingplatz erst nochmal ein paar berufliche Dinge erledigen. Schließlich muss man diesen Luxusurlaub ja auch irgendwie finanzieren….🙂. Daher starte ich erst so gegen 11.30. Das Wetter ist etwas trübe, aber ein paar Wolken sind mir bei der Hitze schon recht. Die Gegend wird – wie auf dem Bild oben zu sehen – immer wilder und hochgebirgiger. Ich fahre vorbei an Geröllhängen, die mehrere 100 m hoch sind.

Der Weiler (Hameau), an dem ich hier vorbeikomme, heißt tatsächlich Bonnenuit – also „Gute Nacht„. Aber so weit sind wir noch nicht. Ich hoffe eher auf einen guten Tag. Zum Galibier sind – wie hier auch zu sehen – natürlich Hunderte von Rennradfahrern unterwegs. Leider aber auch mindestens doppelt so viele Motorradfahrer. Der Lärm geht mir extrem auf den Wecker.

Allerdings: Mein eigentliches Ziel ist gar nicht der Galibier. Schließlich will ich ja Gravel-Pässe fahren, möglichst einsam und fern der nervenden Motorrad-Horden. Und auf der Internetseite „Route des Grandes Alpes-Gravel“ habe ich eine schöne Alternative gefunden: Etwa auf 2000 m Höhe zweigt von der Teerstraße eine Schotterstraße ab, die zu einer Kaserne der franz. Gebirgsjäger – und von dort zum Col des Rochilles führt. Dahinter liegen traumhafte Seen, an denen ich gerne campen möchte. Leider fängt es ordentlich an zu Regnen und Gewittern….

Der Weg führt in Serpentinen mit etwa 8 % Steigung hoch zur Kaserne. Der Schotter ist recht grob, aber auch teilweise sehr sandig. Aber man kann da immerhin ganz gut hochschleichen ohne zu Schieben. Unterwegs begegnen mir eineige Mannschaftfahrzeuge, die sich hier ebenfalls hoch- bzw. runterschockeln. Die Kameraden winken begeistert…

Hier habe ich das Lager bereits passiert. Direkt unten habe ich mich nicht getraut, ein Foto zu machen. Weiß nicht, ob man die militärischen Anlagen fotografieren darf. Das Lager liegt auf etwa 2.400 m Höhe, quasi mitten im Nichts. Keine Ahnung, was man ausgefressen haben muss, um nach hier beordert zu werden….Das Foto ist dann schon vom Col des Rochilles, der noch 100 m höher liegt. Unten im Tal hängen noch die Regenwolken. Auch ich bin das erste Mal auf dieser Tour so richtig nass geworden.

Und das hier ist der Blick vom Col in die andere Richtung: Auf den wundervollen Lac du Grand Ban. Was für ein Alpen-See! Ist der nicht wirklich traumhaft? Ich rolle nur noch runter zum Ufer und schlage mein Zelt auf. Außer ein paar Murmeltieren ist hier niemand.

Dieser Zeltplatz ist noch besser, als ich erwartet hatte. Er gehört sicher zu meinen absoluten Top 5! Das verspricht tatsächlich eine Gute Nacht – Bonne Nuit, wie mir das Ortsschild schon unten prophezeit hat….

Tag 8: Bei 40 Grad zum Galibier hinauf

Am Morgen waren es eigentlich nur noch ca. 200 Höhnmeter bis zum Perronnet. Doch der Weg hier links am Zelt vorbei wurde dann noch schlechter. Das schwer bepackte Rad da hochzuwuchten war stellenweise nicht möglich.

Da hilf nichts, als erstmal die Taschen hochzutragen – und dann den Weg nochmal runter, und das Rad hinterher zu holen. Hier bin ich also als mein eigener Sherpa unterwegs. Schnell vorwärts kommt man so natürlich nicht gerade. Aber man hat ja Zeit….

Aber letztendlich gilt: Wo ein Weg ist, da kommt man auch irgendwie mit einem Fahrrad hoch. Obwohl der hier schon sehr speziell ist….

Wenn ich mich umdrehe, lugt über den Talabhang sogar noch mal kurz mein Mont-Blanc herüber. Den habe ich schon ein ganz schönes Stück hinter mir gelassen.🙂

Schließlich hat mich meine brummende, knisternde Kraftwerk-Leitung dann bis oben zum Col de Perronnet geführt. Es öffnet sich der Blick auf das Massif du Galibier. Das heißt: Kurz ins Tal runter (die Abfahrt dauert 2 Stunden) – und dann gleich wieder hoch…..Vorher noch einkaufen in St. Michel de Maurienne. Und weil ich nach irgendwelchen „Spezalitäten“ gefragt wurde: Hier kaufe ich mal einen Abondance-Käse (obwohl Beaufort im Angebot ist). Denn über den geht nichts! Aber sonst kommt in die Packtasche, was sich schnell zubereiten lässt: Irgendeine Soße, die man schnell über die Nudeln kippen kann, mal eine Dose Chili con Carne, Linsen mit Würstchen etc. Ich bin hier nicht auf einer kulinarischen Unternehmung….Kalorien sind angesagt. Und in jedem Laden ein gut gekühlter Apfel- oder O-Saft, der dann meist geich vor Ort geext wird. Oben gibts nur Wasser….

So, wo wir gerade vom Essen geschwätzt haben: Jetzt gehts ans Eingemachte! Hoch zum Col du Galibier. „Le Mythique“, wie das Graffiti verrät. Um die 1800 Höhenmeter und das Thermo zeigt….

Kurz vor der Aufnahme hier unten am Einkaufsladen im Tal, hatten wir die 40-Grad-Marke tatsächlich schon überschritten. Zum Glück bin ich recht hitzeresistent. Zusätzlich nutze ich meinen hübschen blauen Schal als Klimaanlage: Ins kühle Wasser getaucht und dann um den Hals. Kühlt wunderbar.

Dafür, dass dieser Weg keinen Namen hat, hat er doch ein hübsches Schild abbekommen oder? 🙂

Wer die Tour de France in der ARD verfolgt, weiß von Tour-Reporter Florian Nass, dass vor dem Galibier immer noch der Télégraphe liegt. Da gehts auf 1500 m rauf – und dann blöderweise erstmal wieder 300 runter, die man zum Galiebier wieder hoch muss. Wie nervig… Die Räder hinter meinem Rad gehören 3 jungen Bike-Packern, die wie ich ebenfalls aus der Schweiz nach Nizza unterwegs sind. Allerdings alles in ultraleicht….Ich schlage vor, einer von ihnen soll mal mein Rad anheben. Er kann es nicht fassen, dass man mit fast 30 Kilo Gepäck die Berge hochkommt.

Den Télégraphe rolle ich jetzt nur noch herunter bis Valloire auf den Zeltplatz. Von hier geht’s dann morgen wieder hoch zum Galibier.

Tag 7: Ein Murmeltier hört ständig Kraftwerk

Sankt Anna hatte auf alles ein gutes Auge geworfen und so konnte ich mein verlassenes Dorf wohlbehalten am Morgen ebenfalls verlassen. Es ging weiter Aufwärts Richtung Col de Perronnet. Das Tal war grün und schön schattig. Allerdings musste ich um 12.30 in St. Martin sein. Das ist der Ort oben im Bild und der letzte vor dem Col. Google hat mir verraten, dass der einzige Laden vor Ort um dies Zeit schließt und meine Fronttaschen mit den Lebensmitteln sind schon ziemlich leergefuttert. Ich lege mich bei diesem kleinen Zeitfahren ordentlich ins Zeug und um 12.20 stehe ich vor dem Laden der Kette „Huit à huit“ – was ja eigentlich von 8 bis 8 heißt. Aber der Besitzer braucht offensichtlich doch seine Mittagspause. 🙂

Wer kann mein Rad am Hang gegenüber entdecken? Nach meiner Mittagspause (und einem kleinen Schläfchen) geht es das grüne Tal immer weiter nach oben. Noch fehlen mir 1.000 Höhenmeter bis zum Gipfel. Die letzten 8 km sind dann Gravel.

Am Ende des Teerweges passiere ich noch einen kleinen Weiler. Die Häuser sind hier jetzt ganz anders gebaut, wie in der Schweiz oder dem nördlichen Savoien, das ich durchquert habe. Alles aus Stein und nicht mehr die schönen Holzhäuser.

Eigentlich ist der Col der Perronnet kein „offizieller“ Pass. Die mittlerweile recht holprige Fahrstraße wurde nur für den Bau dieser mächtigen Überlandleitung vor 40 ca. Jahren angelegt. Der Weg führt fast direkt darunter entlang. Und die Masten sind überraschend niedrig: Aus den Leitungen brummt, knistert und summt es ständig – Es klingt wie auf meinen ur-alten Kraftwerk-Platten bei so schönen, schrägen Titeln wie „Strom“, „Spule“ oder „Stimme der Energie“.

Diesem Murmeltier scheint der ständige Kraftwerk-Sound über seinem Kopf nichts aus zu machen. Es pfeift munter sein Liedchen und lässt sich auch nicht stören, dass ich 10 m vor ihm haltmache für ein Foto.

Etwa 4 km vor dem Col wird der Weg fast nicht mehr fahrbar. Er wird offensichtlich kaum noch unterhalten. An einer Einmündung eines anderen Weges schlage ich mein Nachtlager auf – also mein Zelt steht direkt AUF dem abzweigenden Weg. Eine andere ebene Stelle ist gerade nicht aufzutreiben. Ich hoffe mal, dass das kleine Haus am Ende des Weges heute Nacht nicht mehr besucht wird….Zum Glück blieb alles ruhig👋

Tag 6: Unter dem Schutz von Sankt Anna

Ich verlasse meinen Old-School Campingplatz, nicht ohne ein paar Sachen zu waschen. Bei der Hitze trocknet ja zum Glück alles schnell. Mein Ziel, steht auf dem Schild: Cormet d’Arèches, der nächste Gravelpass. Dorthin sin es noch 8 km und 800 Höhenmeter. Das sind also knackige 10 Prozent Steigung….

….und das ist der Weg, der mich zu meinem Ziel führen soll. Einigermaßen fahrbar. Ich muss nur wenig schieben….Und die Franzosen feuern mich ständig an: Chapeau, Bon Courage, Bravo, Vous êtes courageux….etc. Geht runter wie Öl. Viele sprechen mich an, und ich muss viel erzählen…Ich glaube in Deutschland würde ich eher Unverständnis ernten: „Was ist denn das fürn durchgeknallter alter Zausel auf diesem überladenen Rad?“….🙂

….vorbei am Lac de Guérin….

….bin ich so gegen Mittag oben angekommen. Die Abfahrt ist dann wieder überwiegend Teer. Es geht runter ins IsèreTal nach La Plagne. Macht 18 km traumhafte Abfahrt. Allerdings: Je tiefer ich komme, desto heißer wird die Luft. Fühlt sich bald an wie ein Föhn, der einem ins Gesicht bläst….Unten ist es fast unerträglich heiß, 37 Grad.

….unterwegs noch dieses unglaublich perfekte Blau! Enzian. (als Eintrach-Fan fehlt da natürlich noch ein Tupferchen Gelb….☺️)

Unten im IsèreTal kommt dann ein 2km langer Fahrradtunnel. Da drin ist es so herrlich kühl, dass ich am Ende fast nochmal zurückgefahren wäre….endlich etwas Abkühlung.

Der RadTunnel ist ganz neu. Allerdings: Gleich danach geht der Radweg Richtung Moutiers allerdings ungelogen über eine 4spurige Schnellstraße, quasi am Randstreifen ohne bauliche Trennung. Die Autos donnern mit 100 Sachen an einem vorbei. Zum Glück ist Sonntag und kaum LKW-Verkehr….Vermutlich ist der Radweg durch das IsèreTal gerade erst im Entstehen.

Moutiers selbst ist ganz hübsch, aber am Sonntag ist hier absolut tote Hose. Ich mache mich gleich an den nächsten Anstieg zum Col de Perronnet.

Und an der Abzweigung dorthin steht dieses Schild. Ich bin sicher, das ist genau MEINE Straße: Schmal und einsam. Eine echte Wohltat nach dem hektischen IsèreTal.

Direkt an der Straße finde ich aber keine ebene Stelle zum Zelten. Es gibt nur eine Abzweigung zu einem verlassenen Dorf, ca. 1km von der Straße entfernt. Ein echter Lost Place und etwas unheimlich ….

Eine ebene Wiese oder so gibt es hier allerdings auch nicht. Also baue ich das Zelt am Ende der alten Dorfstraße auf….

Statt mit Heringen fixieren ich das Zelt mit alten Steinen. Die gibt’s hier genug. Allerdings: Der Teer hat sich tagsüber dermaßen aufgeheizt, dass ich wegen dieser „Fußbodenheizung“ nachts kaum ein Auge zudrücken kann.

Immerhin steht hier noch ein kleines Bänkchen, über das sich meine alten Gelenke extrem freuen. Einfach so auf den Boden hocken ist schon schwer🙂

Es gibt CousCous mit geschmorter Paprika. Und etwas Zwiebel und der nicht ganz so leckeren Wurst aus dem unteren Schweizer Regal….

Wenn ich wild zelte, lasse ich meine Esssachen möglichst nie im Zelt. So locke ich keine Wildschweine, Mäuse oder anderes Getier an. Die Taschen hänge ich dann z. B in einen Baum….aber hier gibt es die bisher beste aller Möglichkeiten: Ich stelle meine Fressalien unter den Schutz von Sankt Anna🙂!

Das Heiligenhäuschen ist nämlich das einzige, was in diesem verfallenen Dorf noch gepflegt wird. Gittertür zu – und die Taschen sind bestens beschützt. Mit diesem Wissen, kann ich jetzt ruhig schlafen. Sankt Anna wacht über uns🙂

Tag 5: Im Beaufort gibt’s nur Comté

Von meinem hübschen Zeltplatz geht’s jetzt weiter aufwärts zum Col de Joly auf ca. 2000 Meter. Leider ist der Weg ziemlich steil und grobschottrig. Ich schiebe die meiste Zeit. Die Kühe schauen mitleidig…

Und durchs Wasser muss ich auch noch. Immerhin kühlen die Füße. Das Thermo zeigt 36 Grad….

Aber, wenn ich irgendwas auf meinen Radtouren gelernt habe: Irgendwann ist man dann doch oben. Ich hatte zwei Wege nach oben zur Auswahl. Von hier aus sehe ich, dass der andere viel besser zu fahren gewesen wäre….Künstlerpech🙂. Die Aussicht ist auf jeden Fall Top.

Zur Wahrheit gehört aber auch, dass ich die ganze Zeit durch ein Skigebiet hochgeradelt bin. Mit hässlichen Liftstationen oder hier diesen See für das Wasser der Schneekanonen. Aber OK: Ohne diese Nutzung im Winter hätte es diesen Weg vermutlich gar nicht gegeben.

Runter geht’s vom Col de Joly nach Beaufort. Kennt ja jeder Käsefreund. Hier gibt’s einen kleinen Laden, aber das Käseangebot ist eher bescheiden…Gouda, Emmentaler, aber immerhin auch Comté. Da schlage ich zu. Beaufort und die Gegend gefallen mir sehr gut. Nicht alles so aufgemotzt und ohne große Skistationen wie rund um Chamonix-Mont Blanc. Wer mal ruhigen Bergurlaub verbringen möchte….

In dem kleinen Lädchen gibt’s auch diese unglaublich leckersaftigen Kirschen. Die geben mir die nötige Power, um noch 800 Höhenmeter bis zu meinem Campingplatz zu schaffen. Bei der Hitze kann man irgendwie nichts anderes essen als frisches, saftiges – eben alles, was gut rutscht….

Der Lac de St Guérin ist mein Zwischenziel. Auf die hier angekündigte Himalaya- Passage bin ich ja mal gespannt. Keine Ahnung, was das sein soll. Vermutlich grobes Geröll auf meinem Weg…..das hatte ich aber eigentlich schon genug🙂

Gegen 19 Uhr erreiche ich dann diesen Campingplatz „Les Amis“. Mitten im Nichts. Und so richtig von der alten Sorte: 3 Duschen, ein paar Becken für Geschirr und Wäsche….und ja, es gibt sie noch, die guten alten französischen Hock-Klos….Also ich fand ihn extrem sympathisch…WLAN gab’s nur an der Rezeption. So verzichte ich auf unser WM Spiel gegen die Elfenbeine (also, das müssen ja eigentlich begnadetet Kicker sein, bei dem Landesnamen….). Ich war ohnehin zu müde.

Was ich dann aber hier doch noch kurz anmerken muss: WM- Held Deniz Undav hat es zu seiner Zeit bei Eintracht Braunschweig nur in die 2. Mannschaft geschafft. Für unsere 1. Mannschaft ist er einfach zu schlecht. Da musst du schon mehr Qualität mitbringen🙂⚽️. Bei Eintracht reichen selbst Elfenbeine nicht, da spielen ausschließlich Zauberbeine…Na Logo.

Tag 4: Der Mont Blanc – 40 Jahre Jubiläum

Mein Campingplatz in Vallocrine, direkt hinter der Grenze. Hier gibt es 2 riesige Zeltwiesen und nicht die blöden Einzelplätze. Beim Essen am Picnictisch lerne ich einen jungen Pariser kennen, der hier 1 Woche für den Mont- Blanc-Marathon trainiert. Das ist bestimmt ähnlich hart, wie Gravel-Pässe fahren🙂

Von hier geht’s hinunter nach Chamonix. Und dann hat man plötzlich einen gigantischen Auslick auf IHN: Der Mont Blanc, mit 4800 Metern der höchste Berg Europas. Vor exakt 40 Jahren stand ich im Juli 1986 zusammen mit meinen Kumpels Zucker und Gustav oben auf dem Gipfel. Aber das wäre eine Geschichte für einen ganzen eigenen Blog. Es war eine von jugendlichem Leichtsinn geprägte Aktion, bei der ich eine Nacht verschollen ging. Meine Freunde wollten gerade die Bergwacht alarmieren, als ich völlig entkräftet am Campingplatz eintraf….🫣.Das war meine letzte Bergtour. Dann habe ich auf Radtouren gewechselt. Ist sicherer 🙂

Die Bergwelt um Chamonix ist schon sehr beeindruckend. Man bekommt richtig ein bisschen Himalaya-Feelig.

Und es gibt hier sogar noch richtige Gletscher.

Chamoix selbst ist sehr rummelig und wenig sehenswert. Immerhin finde ich einen gut sortierten Radladen, in dem ich zwei neue Ersatzschläuche kaufe. Ich traue den Reifen meines neuen Rades nicht so recht. Obwohl, hey: Schon drei Tage ohne Platten unterwegs 🙂

Aber die Gegend ist nicht nur schön. Um zu meinem nächsten Pass, dem Col de Joli zu gelangen, kämpfen ich mich 40 km durch ziemlich dicht besiedeltes Gebiet mit viel LKW-Verkehr, kaum Radwegen und in brütender Hitze…

Gegen 18 Uhr habe ich die Wahl im Tal auf einen rummeligen Campingplatz zu gehen, oder mich schonmal 300 m in die Höhe zu graveln und auf einen einsamen Wildzeltplatz zu hoffen. Ich entscheide mich für letzteres. Und diese Brücke auf meiner GravelRoad darf ich gerade noch so überqueren🙂

Und mein Plan geht auf: Neben dieser einsamen Scheune finde ich einen ebenes Plätzchen, auf dem ich mein Zelt aufstellen kann. Ansonsten ist alles recht abschüssig hier oben.

Mit herrlicher Aussicht auf das Mont-Blanc-Massiv…

Und einer hübschen Blumenwiese hinten dran. So sieht der ideale Übernachtungsplatz aus🙂

Tag 3: Ich brauche ein Postkutschen- Pferd

Nach dem gestrigen Fast- Desaster stand heute die erste Gravel-Etappe auf dem Programm.

Und zwar die Route des Diligences – der Weg der Postkutschen. Erbaut um 1850 als erster Weg, der das Wallis (Schweiz) mit Chamonix (Frankreich) verband. Vor allem für die ersten englischen Touristen, die von hier einen herrlichen Blick auf den Mont Blanc hatten.
Er hat insgesamt 36 Spitzkehren, die einen Bereich von etwa 400 Höhenmeter abdecken und die auf dem Screenshot meines Routenplaners oben gut zu erkennen sind. Ganz nach meinem Geschmack – eigentlich….

Doch erstmal musste ich von 1.800 m auf 400 m ins Rhonetal abfahren. Unterwegs tauchte erstmals der Mont Blanc auf, den ich in den nächsten Tagen quasi in einer großen Schleife umrunde.

Auch die anderen Berge sind durchaus ansehnlich. Insgesamt eine rasante Abfahrt, ca. 20 km lang!

Unten hatte mich dann die Zivilisation wieder. Erstmal neu einkaufen bei Migros. Wenn man sich an den unteren Regalfächern orientiert, ist die Schweiz gar nicht mal so teuer 🙂

Rhone-Durchbruch vor Martigny. Da ist Platz für eine Autobahn, eine Landstraße, eine Eisenbahnlinie…..und das hier ist das, was für Radler übrigbleibt….schmal, auf der Gegenfahrbahn und mit erhöhtem Bordstein…..😏

So, und dann beginnt sie endlich, meine Route des Diligences….Aber das war dann doch eine Fehlplanung. Ich hatte zwar bei der Planung gesehen, dass die Route ca. 600 Höhenmeter überwindet….Was mir aber entgangen war: Sie braucht dafür nur 4 km! Das sind im Schnitt 15 Prozent Steigung. Unglaublich.

Hier kann man erahnen, wie steil das ist. Von den 36 Spitzkehren bin ich maximal 4 gefahren. Den Rest musste ich mühsam schieben. Ich frage mich echt, wieviel Pferde, die früher vor ihre Kutschen gespannt hatten….Und ich wünsche mir, dass mir wenigstens ein PostkutschenPferd zur Verfügung stünde….🙂

Naja, jedenfalls verläuft die Route im Schatten, was bei 35 Grad das Schieben etwas angenehmer macht. Und Platz für ein Mittagspicnic findet sich an der Mauer auch.

Direkt vor mir kämpft sich eine „moderne Poskutsche“ den Berg hoch. Unglaublich, wo in der Schweiz noch überall Züge fahren. Und ich wette, die sind pünktlich….

Naja, nach 4 Stunden war ich dann oben. Geht’s noch „schweiziger“ als dieses Hüttchen?

Gegen Abend erreichte ich dann Frankreich. Der kleine Grenzübergang war nicht bewacht. An der Goldenen Bremm in SB wird auf jeden Fall stärker kontrolliert. Dabei ist die Schweiz ja nichtmal EU. Etwa 6 Kilometer hinter der Grenze gibt’s einen Campingplatz. Ich brauche dringend eine Dusche. Sowas wie heute hält kein (Postkutschen)- Pferd aus🫡

Tag 2: Zehn entscheidende Zentimeter

An dieser Baustelle wäre meine Radtour um ein Haar beendet gewesen, bevor sie überhaupt richtig begonnen hat…….Auf meiner Karte war da oben ein Picnicplatz verzeichnet und ich wollte checken, ob ich dort übernachten könnte. Doch dort wird jetzt eine Liftstation gebaut. Um die Umgebung zu Fuß zu erkunden, hatte ich das Rad am Wegesrand abgestellt. Plötzlich kam ein kleiner Pritschen-LKW mit Bauarbeitern den Weg rückwärts (!) hochgebraust. Und der Fahrer war ins Gespräch mit seinen Kollegen verieft…..“Der wird ja wohl das Rad sehen“, dachte ich, doch Pustekuchen. Er hielt volle Lotte darauf zu. Ich war etwa 30 m entfernt und schrie wie am Spieß STOP, ARRETEZ!!! Der Fahrer guckte erstmal verständnislos, stoppte dann aber doch. Genau 10 Zentimeter, bevor er mein neues Fahrrad plattgewälzt hätte. Puh, das war knapp!

Dabei hatte der Tag eigentlich ganz normal begonnen. Nach dem Frühstück habe ich den defekten Reifen geflickt und die Gangschaltung justiert. Gegen 9 ging es dann auf die Piste. Zunächst durch das hübsche Saanen (im Bild oben).

Es wird ernst. Die ersten Schneeberge bauen sich vor mir auf. Heute gehts auf 1800 m hinauf.

Wirklich sehr eindrucksvoll. Das ist der Oldehore mit 3120 m. Aber wenn ich oben bin, werde ich erstmals den Mont Blanc sehen.

Unterwegs erreiche ich die französische Schweiz. Endlich kann ich die Leute verstehen, wenn sie mich freundlich ansprechen. In der „deutschspachigen“ Schweiz ist das schon schwieriger🙂. Aber auch dort waren die Leute supernett und haben rasch auf Hochdeutsch gewechselt…..

Dennoch Vorteil Franko-Schweiz: Hier herrscht dieselbe Top-Picnic-Kultur wie in Frankreich. Hier mein Mittagstisch…..

Und das war der Ausblick vom Picnicplatz. Ab hier ging es dann richtig hoch auf den Col de la Croix.

Fast 9 % Steigung im Schnitt. Da verfluchst du jedes Flachstück, weil du weißt, du musst es später teuer bezahlen. Und so früh im Jahr bin ich noch gar nicht richtig trainiert. Schnauf🙂

Irgendwann war ich dann doch oben (kurz vorher spielte sich das eingangs geschilderte Fast-Drama ab). Wenn ich 4 Tage später hier wäre, könnte ich hier oben die Tour de Suisse verfolgen. Hier gibt es auch einen kleinen Kiosk. Weil das Kartenlesegerät defekt ist, und ich keine Franken habe, schenkt mir die freundliche Wirtin eine kalte Cola. Echt mein Glückstag heute🙂

Kurz unterhalb des Passes schlage ich mein Nachtager an einem Feldweg auf. Hier oben ist es recht einsam, sodass ich keine Bedenken wegen Wildzelten habe. Weiter unten im Tal hätte ich mir das in der Schweiz nicht getraut. Alles eher dicht besiedelt.

Tag 1: Das Wunder von Spiez

Ich starte also in Spiez. Das liegt im Berner Oberland, hübsch am Thuner See. Und den älteren unter Euch, wird dieser Name eventuell etwas sagen….🙂⚽️⚽️

Das ist der Blick aus meinem Hotel über die Bucht von Spiez. Das noble große Hotel gegenüber ist das Belvedere. Da bin ich heute morgen als erstes hingeradelt.

Denn hinter dem Hotel steht eine kleine Gedenktafel, für das, was sich hier vor exakt 72 Jahren zutrug….

…das Belvedere war das Mannschaftshotel unserer Weltmeister- Jungs von 54! Und hier herrschte der Geist von Spiez

Fritz Walter: „Der gute Geist von Spiez hat dazu beigetragen, dass die Mannschaft das Wunder von Bern erreichte“. Zusammen mit Herberger haben sie auf ausgedehnten Uferspaziergängen die Taktik ausgetüftelt. So ist in der idyllischen Bucht am Thunersee der „Geist von Spiez“ entstanden, der dann im WM-Titel 54 mündete. Ob es wohl auch in Winston-Salem einen guten Geist gibt? Oder eher ein Schreckgespenst?

Hier ein paar mehr Infos zum Geist von Spiez.
Ach, übrigens, was ich heute gelernt hab: Wir in Deutschland sprechen den Ortsnamen falsch aus. Der gute Geist kam nämlich nicht aus Spiiiiiiz, sondern aus Spi-ez..🤓

Nach diesem Ausflug in die Fußballhistorie ging es dann erstmal zum Einkaufen und dann – erst gegen 12 – auf die Piste. Ich habe noch nie so viele Sägewerke passiert.

Es ging durchs Tal der Simme…immerhin schonmal auf 1300 m hoch.

Mittagspicnic auf einer Brücke. Picnictische sind hier Mangelware.

Mister Alpacca guckt etwas ernst, aber die Frisur sitzt top!

Mit meinem alten, geklauten Fahrrad hatte ich die letzte Reifenpanne 2014 auf unsere legendären Harztour mit Leander zur Oma Rosi…Und mit dem neuen Hobel jetzt gleich mal nach 40 km. Kein guter Start in eine lange Beziehung 😒

So endet dann diese Etappe etwas verkürzt nach 52 km auf dem Capingplatz von Saanen👋

Über diese hübsche Bergkette geht’s morgen runter ins Rhonetal. Mal schaun, ob ich den Orange Utan aus Amiland treffe. Der weilt ja gerade in der Nähe…

Die Anfahrt in die Schweiz

Die erste Etappe besteht aus 12 km von Niederwürzbach zum Bahnhof nach St. Ingbert. Um kurz vor 12 radle ich mal los.

Es geht vorbei an unserem idyllischen Würzbacher Weiher. Bestimmt sind die Schweizer Seen auch nicht viel hübscher🙂. Im Hintergrund die tolle Wasserfontaine und im Vordergrund die Büste unseres langjährigen Ortsvorstehers Kurt Hartz, dem Bruder von „Hartz 4″…..

Kaffeepause im Bahnhof Mannheim. Wusstet Ihr, dass Café Crème in Deutschland ohne Milch ist😯? Nicht lecker! Jetzt muss ich 3 Stunden auf den Anschlusszug warten. Hab großzügige Umstiegszeiten eingeplant.

Mein Zug kommt aus Berlin mit Endstation Spiez! Vielleicht als Erinnerung an das Wunder von Bern? (mehr dazu morgen….). Mir ist’s Recht. So kann ich mein ganzes Gerödel samt Rad in Ruhe an dem Endhaltepunkt ausladen.

Der Zug ist relativ leer, aber das Radabteil ist bis auf den letzten Platz gefüllt. Meins ist das mir den roten Hörnchen (also dem nicht gerade platzsparenden breiten „Lenkergeweih“). Jetzt habe ich 4 Stunden ruhige Fahrt vor mir. Im Hotel bin ich um 22 Uhr angemeldet…

Die Strecke 2026: Schweiz-Nizza

Das hier ist meine diesjährige Strecke. Es geht vom Thuner See erstmal 150 km durch die Schweiz und dann durch die französischen Alpen bis nach Nizza am Mittelmeer. Insgesamt sind das etwa 650 km und 17.000 Höhenmeter.

Es beginnt am Montag, den 15 Juni. Da fahre ich mit dem Zug nach Spiez. Die Radtour startet dann einen Tag später. Die Rückfahrt mit dem Nachtzug ab Nizza ist für Donnerstag, den 2. Juli geplant…..

Ja ICH verpasse einen Großteil der Fußball-WM. Aber man muss eben Prioritäten setzen 🙂

Meine Route: 850 km längs durch die spanischen Pyrenäen

Unterwegs habe ich meine jeweiligen Übernachtungsplätze mit einem farbigen Pinnöckel markiert.

Wenn Ihr auf das kleine weiße Rechteck rechts oben tippt, vergrößert sich die Karte. Verschieben könnt Ihr sie am Smartphone mit 2 Fingern. Weiter unten gibts noch das Höhenprofil.

Und hier noch das Höhenprofil.

Insgesamt sind das etwa 20.000 Höhenmeter. Ein bischen mehr als 1000 pro Tag 🙃. Der letzte kleine Huppel rechts ist der Col de Banyuls.

Die Anreise

Es geht los am Mittwoch 20. August 2025. Iris bringt mich morgens um 9.30 Uhr mit dem Auto zum Bahnhof nach Forbach in Frankreich.
Ich hätte auch direkt von zu Hause aus mit dem Zug starten können. Aber das hätte auch bedeutet: Sich auf 2 Züge der Deutschen Bahn zu verlassen….ich mag Risiko, bin aber nicht verrückt….😉

Von Forbach gehts mit Umstieg ab Metz per TGV nach Paris – Gare de l’Est. Dann mit dem vollbepackten Rad quer durch Paris (darauf freue ich mich besonders…) zum Gare de Montparnasse. Von dort mit TGV nach St. Jean de Luz am „atlantischen“ Fuß der Pyrenäen Ankunft 23.10 Uhr. Haltet alle Daumen!

Abschiedsfoto am Bahnhof Forbach. Leider etwas in Hektik, weil es einen Stau vor der Auffahrt St. Ingbert gab.🙂

So der Zug nach Metz ist erreicht. In Forbach war der Aufzug defekt. Musste alles einzeln zum Gleis hochschleppen. Als Entschädigung ist der Zug schön leer…..

Umsteigen in Metz. Im Bahnhof findet sich ein Denkmal für Jean Moulin, ein führender Kopf der Resistance. Er verstarb hier 1943 auf einem Gefangenen-Transport der Gestapo, nachdem er von Klaus Barby in Lyon gefoltert wurde.

Interessanterweise gibt es auf dem Dach des Gare de Montparnasse in Paris, wo ich heute Abend Richtung Pyrenäen abfahren, ein Jean-Moulin-Museum. Eventuell kann ich da am Nachmittag noch kurz reinschauen

327 km/h auf meiner FahrradNavi App. Absoluter Rekord 😀! TGV machts möglich.

Mittagspause in Paris. Am Bassin de la Vilette gibt’s einen netten Thai, wo ich ordentlich Nudelpower tanke….

Paris im Sommer….ich glaube, da gibt es in Saarbrücken mehr Franzosen 🙂. Alles sehr beschaulich hier.

Zum Radfahren traumhaft: Links eine Autospur, daneben DREI Radspuren 😯😯. Dann kommt rechts der Louvre….

Der Post-Olympia-Ballon glüht schonmal vor….hier ist dann doch etwas mehr Betrieb. Erst heute Abend steigt der Ballon wieder auf.

Leider ist das Wetter eher trübe. Kurz danach hats ordentlich geregnet. Bin ins Café geflüchtet.

Ankunft am Gare de Montparnasse….das ist so ziemlich die hässlichste Ecke, die ich bisher von Paris gesehen habe. Direkt davor steht die Tour de Montparnasse. 2 Bausünden direkt nebeneinander….

Auch hier: Punkt für Saarbrücken….für den schöneren (oder besser gesagt: weniger hässlichen) Bahnhof🙂🙂.

Der Ausblick nach draußen….hier muss ich jetzt noch fast 4 Stunden auf meinen Zug in den Süden warten. Viel Zeit zum bloggen👋👋😀

Das Rad ist gut verstaut! Das Schild ist echt genial 😀😀. Auf geht’s, Richtung Pyrenäen! Der Sitz neben mir ist leer und es gibt 5G-Netz. Bis Bordeaux wird nicht gehalten. Top!

Nachtrag: Naja ganz so top ging es dann leider nicht weiter. Nach Bordeaux hat sich der Zug dann nämlich über eine Stunde Verspätung eingehandelt…..und als ich dann um 00:30 in Saint Jean eintraf, hat es geschüttet wie aus Eimern. Ich kam pudelnass im Hotel an…..😏

Tag 1 Vom Atlantik in die Berge

Zu Beginn erstmal das Beweisfoto, dass ich heute wirklich am Atlantik gestartet bin!🙂

Das Foto habe ich auf der Hafenmole von Ciboure gemacht. Dem Nachbarort von Saint Jean. Dort war auch mein Hotel, ca. 1km vom Bahnhof entfernt. Als ich gestern Abend dort ankam hat es geschüttet wie aus Eimern. Typisch Baskenland eben…Unten mein Hotel und der Ausblick vom Badezimmer….

Da ich gestern erst gegen 1 Uhr Nacht im Hotel war, habe ich erstmal ausgeschlafen und bin erst gegen 11 Uhr gestartet. Vorher musste ich ja auch noch meine Taschen umpacken. Ich hatte für den Zugtransport den Inhalt von 4 Taschen in 2 Taschen und den Zeltsack gequetscht….

Der Hafen von Saint Jean de Luz.

Von dort habe ich erstmal einen Supermarkt angesteuert. Und gleich der nächste baskische Eimerguss….musste mir ein Dach zum einpacken suchen …

Die Wahl bei den Nudeln ist mir nicht schwergefallen….Diese hier scheinen für Radfahrer gemacht zu sein😀😀 …und Panzani klingt ja auch schwer nach Pantani….

Ansonsten zeigt sich das Baskenland so, wie ich es kenne: nämlich NASS! Ich war in 4 unterschiedlichen Urlauben im Sommer insgesamt etwa 30 Tage in dieser Gegend. Und ich kann mich an keinen einzigen erinnern, an dem es nicht geregnet hat. Ernsthaft!

Dafür gibt es Top-Radwege. Bei uns wird an sonem Weg erstmal 20 Jahre rumgeplant. Hier wird stattdessen einfach mal gebaut🙂.

Punktabzug gibt es hingegen wieder für diese unmöglichen Ortsnamen.…wer, um Himmelswillen, kann sich die merken? ..etxxeber.. tzurri..ascai usw….

Nach 46 eher nassen Kilometern bin ich auf einen Zeltplatz gefahren. Der ist ziemlich Rummenigge , nein liebe Autokorrektur: rummelig! und wenn es aufhört zu regen kann ich auch mal was kochen….und könnte für euch ein Bild vom Zelt machen….

Gemütlich ist anders….aber das war der einzige freie Fleck auf dem ganzen Campingplatz…😒. Morgen will ich bitte wild zelten….

Tag 2 Von Spanien zurück nach Frankreich

Erstmal sorry, dass ich erst am Tag 4 dazu komme, etwas zu Tag 2 zu schreiben. Die Baskischen Berge sind ein einziges Funkloch. Naja, ich habe mir diese Gegend aber auch gerade ausgesucht, weil sie so menschenleer ist. Also mein Blog war für mich nicht erreichbar. Heute bin ich extra noch auf einen Pass hochgefahren, damit ich Netz habe und berichten kann…😀

Also zurück zu Tag 2: Nach einer eher kurzen Nacht auf dem rummeligen Zeltplatz in Spanien ging es über den ersten richtigen Pass wieder zurück nach Frankreich.

Der Pass heisst Puerto de Izpegi….jedenfalls in meiner Karte. Auf dem Passchild stand irgendwas anderes, vermutlich auf baskisch….

Die Straße schlängelte sich etwa 400 m toll den Berg hoch. Ich mag solche Serpentinen, weil man da so schön sieht, was man schon geschafft hat. Hinter dem Pass sah es dann so erstmals richtig nach Gebirge aus.

Auf dem Bild ist zufällig auch das einzige Wolkenloch des Tages zu sehen. Der Rest war trübe, aber kein Regen. Immerhin….Der Pass ist die Lücke oben rechts.

Im französischen Tal erledigte ich noch ein paar Einkäufe in St. Etienne Baigorry. Das letzte Mal, dass ich mich beim Einkaufen verständigen kann….Spanisch ist nicht so mein Ding….☺️

Von dort ging es dann eine kleine Straße hoch zurück nach Spanien. Sie führten mich 21 km recht einsam auf über 1.000 Meter. Damit habe ich dann so ungefähr meine Reisehöhe für die Pyrenäenquerung erreicht.

Als ich diese Straße bei meiner Planung im Dezember 24 auf der Karte entdeckt hatte, war mir klar: Die muss ich fahren. Und habe die Route dann danach ausgerichtet. Und ich muss sagen, ich wurde nicht enttäuscht. Schön einsam, in 3 Stunden begegneten mir 3 Autos….und diese 3 drollig Gesellen. Sie sind etwa 3 km die ganze Zeit vor mir hergehoppelt.

Unten gab es noch ein paar Bauernhöfe. Und einer der Bauern hat offensichtlich echten Sinn für Ästhetik bewiesen: Seine SilageRollen sind wirklich extrem exakt im leichten Bogen ausgerichtet…

Echte Land(wirt)-Art….😀

Kurz vor der spanischen Grenze gab es dann diesen Top-Zeltplatz. Ich hatte ihn während der Planung schon im GoogleStreetview entdeckt und vorgemerkt. Kein Vergleich zu meiner letzten Nacht auf der Wiese vor dem Campingrestaurant…..

Es gab sogar einen Wasserhahn (habe mich ausgiebig gereinigt😀) und am Abend kam noch ein Wanderer, der ebenfalls in der Nähe sein Zelt aufschlug. Es war ein Franzose, der dasselbe Ziel hat wie ich: Banyuls am Mittelmeer. Er will die Strecke in 40 Tagen bewältigen….Es war eine ruhige Nacht.

Tag 3: Etwas zu viel Schotter

Von meinem Top-Zeltplatz ging es dann über die spanischen Grenze. Bis dahin waren noch 200 Höhenmeter zum Col de Lindus auf 1.200 m Höhe zu klettern. Die Grenze ist eher unscheinbar und nur für Kühe nicht zu überwinden. Diese Cattle-Grids (keine Ahnung, wie die auf deutsch heißen🫢) sind aber für schwer bepackt Radler auch nicht ohne. Ich habe vorsichtig rübergeschoben.

Auf der spanischen Seite kommt dann bald Roncesvalles. Das ist eine große Pilgerherberge auf dem Weg nach Santiago de Compostella. Und irgendwas muss das mit der Rolandssage zu tun haben. Ich erinnere mich nur schwach. Muss ich nochmal nachschlagen (geht aber ohne Netz gerade nicht)….

Ich wurde auch ständig gefragt, ab ich den “ Camino“ (also den Weg nach Compostella mache….Meine Antwort: „No, de Atlantico a Mediterraneo“….mehr gibt mein Spanisch nicht her….vielleicht ist das auch gar kein Spanisch?☺️

Insgesamt war meine Routenführung heute schon sehr speziell. Da ich ja möglichst dicht am Hauptkamm bleiben will, hatte ich mir auf der Karte kleine Sträßchen ausgewählt, die sich dann in der Realität oft als Schotterwege (Neudeutsch: Gravel) entpuppten. Die sind zwar schön, aber mit den fast 30 kg Gepäck schon echt anstrengend.

Immerhin trifft man so auch auf ein paar einsame Pferde beim Grasen.

Und das Blödeste: Ich habe schon seit 2 Tagen nur sehr sporadisch eine Datenverbindung fürs Handy. Und ohne Netz kann ich abends nichts berichten….

So gravele ich mich also stundenlang durch die netzlose Landschaft und komme nur langsam voran. Gegen 18 Uhr erreiche ich dann einen in der Planung schon lange vorab gecheckten Picnicplatz, wo ich übernachte.

Es gibt dort auch einen Grill. Und auf dem Aushang am Zaun gibt es ein Hinweis auf die „Rules of use of barbecues„. DUMM nur, daß man dafür einen QR-Code scannen soll….Ich wünsche viel Erfolg, wo es hier in der Einsamkeit doch kein Handynetz gibt🤔🙂….

Aber ich will ohnehin nicht grillen, sondern koche mir eine leckere Nudelsuppe (mit den Pantani-Nudeln von Tag 1). Hier dünsten gerade Karotten und Zwiebel als Suppengrundlage.

Vor dem Schlafengehen kommt alles Essbare in die Bäume. Weniger wegen der Pyrenäen-Bären oder Wölfe, sonder wegen der Wildschweine lasse ich nichts Essbares im Zelt. Auf Korsika habe ich da mal schlechte Erfahrungen gemacht…..

Ich habe wohl noch keine Nacht verbracht, die ruhiger war als diese. Im Umkreis von 20km gibt’s keinen Ort. Schon auch etwas unheimlich….

Tag 4: Auf der Suche nach dem Internet

Hier in der Einsamkeit hatte ich also eine extrem ruhige Nacht verbracht. Aber das fehlende Internet war schon etwas nervig….moderne Zeiten. Für den heutigen Abend galt die Devise: Ich fahre soweit, bis ich wieder in diesem verdammten Netz bin 😀. Vorher wird das Zelt nicht aufgeschlagen. Also, auf geht’s!

Zunächst ging es noch 300 Meter auf meiner GravelRoad nach oben. Dabei kam ich an diesem wunderschönen Wegweiser vorbei. Noch schöner als das Objekt selbst, war allerdings der Zielort: Muxumurru! Welch ein hübsches Wort, da will man doch unbedingt mal hin…..Ich vermute, das ist die Hauptstadt eines verbündeten Volkes vom Kleinen König Kalle Wirsch. Vermutlich sind die Bewohner ebenfalls mit den Murken und mit Zoppo Trump (!!🙃) verfeindet. Turtulla, der Muromesch und der berühmte Feuerwurm lassen grüßen….

Nach diesem Ausflug ins Reich der Erdmännchen gings weiter bergauf, aber dann war endlich eine feste Straße erreicht. Und es wurde auch erstmals so richtig hochgebirgig.

Unterwegs sind mir unglaublich viele Radfahrer und Jogger begegnet. Die Spanier sind echt sportlich. Super. Kein Wunder, dass die in sooo vielen Sportarten Weltmeister sind.

Mittagspause an einer kühlen Quelle. Das Wetter wird wärmer 😀.

Und Kaffepause auf einem Pass auf der Grenze zwischen Navarra und Aragon. ABER: Internet hatte ich immer noch nicht. Ich verschmähte selbst den tollsten Zeltplatz an einem hübschen Bach, weil es dort kein Netz gab….Ich fuhr deshalb nach 18 Uhr noch 300 Höhenmeter auf einen Pass hoch, um endlich diesen Blog fortsetzen zu können.

Der Lohn: Kurz nach 18 Uhr setzt ein Gewitter ein. Ich flüchte mich zunächst in diesen Tunnel (wer entdeckt mein Rad?). Doch es hört nicht auf. Aus meiner Vorplanung weiß ich aber, dass oben auf dem Pass eine Schutzhütte steht. Also egal….ab durch den Monsun😀.

Oben angekommen bin ich nass bis auf die Knochen, aber es scheint jetzt wieder die Sonne, sodass ich die Hütte nicht brauche. UND: Es gibt INTERNET…!

Schnell was gekocht an diesem steinernen Picnicplatz….

Und dann wird Bericht getippt….😀

Der Platz sieht idyllischer aus, als er ist. Links ist ein riesiger Parkplatz auf dem sich noch ein Wohnmobil breit macht….und morgens um 7 kamen Straßenarbeiter mit lauten Motorsensen vorbei….😀

Tag 5: Auf breiten, leeren Straßen

Ich schulde Euch noch ein Foto von meinem gestrigen Abendmahl….Würstchen mit Kartoffelbrei und ganz viel Restkäse. Nahrhaft…..zum Nachtisch veganen Joghurt. Aus Versehen gekauft, aber lecker, mit komischen Klümpchen.

Nachdem mich die Sensenmänner geweckt hatten, gings rasch los. Alles gepackt….die Schuhe sind von gestern natürlich noch pitschpatsche nass. Den Rest konnte ich gegen trockene Sachen wechseln.

…..und dann gings erstmal 15 km bergab. Mein heutiges Ziel ist Jaca. Das ist die größte Stadt, die ich durchquere, und jene, die am weitesten vom Pyrenäenkamm entfernt ist.

Die Straßen hier sind oft auffällig breit und gut ausgebaut. Dabei kommt gerade mal alle 10 Minuten ein Auto vorbei. Wenn überhaupt. Gefällt mir nicht so. Ich habe lieber kleine gewundene Bergsträßchen. Hier hat man ständig das Gefühl, man fährt von der Größe her auf einer deutschen Bundesstraße ….mir reichen 2 m Asphalt, ohne Markierungen und Leitplanken….

Schon besser😀😀! Das sind meine Straßen. Auf der ging es den heutigen Pass hinauf. Ja, richtig gelesen: Heute nur ein einziger Pass mit nur knapp 500 Höhenmeter 😪

Oben auf der Passhöhe steht diese interessante Schutzhütte. Den Schatten nutze ich zum Mittagspicnic

Das Schild ist ausgesprochen hübsch, aber es verspricht ein wenig viel. So „magisch‚ ist das Bergdörfchen dann auch nicht…

Erinnert mich vom Baustil an die Auvergne. Jedenfalls schon ganz anders als im Baskenland.

Ja, ein paar Berge waren natürlich auch zu sehen….

An denen kann ich selbstverständlich nicht vorbeiradeln🙂. Der Blick in die andere Richtung zeigt, wie einsam das hier ist. Obwohl Jaca nur noch 7 km entfernt ist.

Es ist so wenig Verkehr, dass ich mich sogar dabei erwische, entgenkommende Motoradfahrer zu grüßen. Soweit bin ich schon🙃

Dieser Bande wollte ich beibringen, die La-Ola-Welle zu machen, wenn ich an ihnen vorbeifahre. Sollte für spanische Hühner ja kein Problem sein….naja die Aufstellung in Linie hat schonmal ganz gut geklappt. Wir üben weiter 😀. Obwohl, die Welle stammt ja aus Mexiko 🤔…Dann sind die Hühner natürlich entschuldigt.

Nach dem Einkaufen in Jaca geht es für heute Nacht auf diesen kleinen, sympathischen Campingplatz. Ruhig, alles topp gepflegt mit viel Liebe zum Detail. Ich kann sogar meine Esssachen in den Kühlschrank legen, super. Grünen Rasen darf man hier natürlich nicht erwarten.

Heute ist dann mal Waschtag. Das gilt sowohl für die ‚Verpackung“ (siehe Foto) als auch für den Inhalt (nicht im Bild)….🙂👋👋